Kapital in Bewegung bringen
Österreich braucht mehr Wachstum, mehr Investitionen und mehr Vertrauen in die eigene wirtschaftliche Zukunft. Ein stärkerer Kapitalmarkt kann dazu viel beitragen – für Unternehmen ebenso wie für die private Vorsorge. Als KSW bringen wir uns dort ein, wo aus guten Ansätzen praxistaugliche Lösungen werden müssen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Sommer war hoffentlich für viele von Ihnen eine Gelegenheit, durchzuatmen und neue Energie zu tanken. Ich habe diese Zeit gemeinsam mit dem Team der KSW genutzt, um zentrale wirtschaftspolitische Fragen voranzutreiben. Ende Juli waren wir beim Salzburg Summit Gastgeber eines Deep Dives zur Zukunft des österreichischen Start-up-Standorts. Dabei soll es nicht bei der Diskussion bleiben: Die KSW arbeitet weiter an konkreten Vorschlägen, um die Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups zu verbessern. Wir bringen unsere Vorschläge aktiv in die politische Debatte ein.
Ein Punkt wurde besonders deutlich: Österreich braucht mehr privates Kapital für Wachstum und Innovation.
Kapital für Wachstum mobilisieren
Junge, wachsende Unternehmen benötigen Zugang zu Eigen- und Wachstumskapital. Hier hat Österreich Aufholbedarf. Der für 2027 geplante Dachfonds zur Anschlussfinanzierung ist deshalb ein sinnvoller Schritt. Er kann privates Kapital mobilisieren – allein wird er aber nicht reichen.
Auch deshalb haben wir uns im Sommer klar für die Wiedereinführung einer Behaltefrist bei der Wertpapier-KESt ausgesprochen. Langfristiger Vermögensaufbau sollte steuerlich attraktiver werden. Das gilt umso mehr für Selbstständige, weil Wertpapiere beim investitionsbedingten Gewinnfreibetrag von 2027 bis 2029 nicht mehr begünstigt sind.
Entscheidend ist eine einfache Ausgestaltung: möglichst automatisch über die depotführende Stelle, mit klaren Übergangsregeln und ohne neue Sonderregime. Eine gute Idee darf nicht durch zusätzliche Komplexität an Wirkung verlieren.
Vorsorge und Kapitalmarkt zusammendenken
Ein stärkerer Kapitalmarkt hilft nicht nur Unternehmen. Er ist auch ein wichtiger Baustein für die private Altersvorsorge. Die demografische Entwicklung erhöht, wie wir alle wissen, den Druck auf unser Pensionssystem – umso wichtiger ist es, die dritte Säule zu stärken.
Auch Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl spricht sich im Interview dieser Ausgabe dafür aus, die private Vorsorge attraktiver zu machen. Eine Behaltefrist könne langfristiges Veranlagen fördern und zugleich den Kapitalmarkt stärken. Genau hier zeigt sich: Standortpolitik und Vorsorgepolitik müssen stärker zusammengedacht werden. Nun gilt es, daraus konkrete Schritte abzuleiten.
Digitalisierung muss entlasten
Im Herbst wird uns zudem ViDA weiter beschäftigen. Die europäischen Vorgaben zur E-Rechnung und zu digitalen Meldepflichten bieten die Chance, Prozesse zu vereinfachen. Diese Chance dürfen wir nicht durch zusätzliche nationale Anforderungen verspielen.
Unsere Position bleibt klar: kein Gold Plating bei ViDA! Digitalisierung muss Bürokratie abbauen, nicht neue schaffen. Dafür braucht es praxistaugliche Lösungen, Rechtssicherheit und ausreichend Zeit für die Umstellung. Als Kammer kennen wir die Abläufe in Kanzleien und Unternehmen aus erster Hand – dieses Wissen bringen wir in die Gespräche mit Politik und Verwaltung ein.
Auch der persönliche Austausch bleibt wichtig. Im Oktober findet zum fünften Mal unsere Newcomer Networking Party statt, auf die ich mich schon sehr freue. Parallel verstärken wir unsere Nachwuchsaktivitäten in Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Denn ein starker Berufsstand braucht junge Menschen, die ihre Zukunft mit Kompetenz und Begeisterung mitgestalten.
Ich freue mich auf einen arbeitsreichen und erfolgreichen Herbst – und auf viele persönliche Begegnungen mit Ihnen!
Ihr
Philipp Rath